
Da hab ich mir Ende September fest eingebildet (wie dort nachzulesen ist), dass jetzt dann alles geregelter wird und ich wieder Zeit haben werde fürs regelmäßige Bloggen. "Pustekuchen" (Dank an die Nachbarn;-)).
Naja, aber jetzt bin ich ja endlich krank - haha - und hab zumindest am Abend Zeit, nachzulesen, was all die lieben Leute geschrieben haben, und sogar ein paar Zeilen zu verfassen.
Vielen DANK an alle, die mich und unser Schicksal verfolgt haben/verfolgen und dies auch immer wieder sehr unterstützend und liebevoll formulieren. Danke, es gibt mir Mut.
Und obwohl ich sooo selten hier bin, um was loszuwerden, fällt mir immer dann, wenn die Kurve mal nach unten geht, ein, dass ich unbedingt den Blog wieder besuchen muss.
Heute war wieder mal so ein Tag. Versteht mich richtig: ich bin dankbar, dass alles so (so wie es momentan aussieht, wir machen noch regelmäßig Kontrollen) gut ausgegangen ist. Jedoch ist das ganze weder vergessen noch vorbei.
Ich bin heute am Vormittag alleine gewesen: Sohnemann bei der Tagesmutter (normalerweise, damit ich arbeiten kann), damit ich ein bisschen rasten konnte, M auf dem Weg nach Italien zu irgendeiner Messe und ich alleine (!!!) im Badezimmer, was ja nur noch selten passiert. Da überkam mich eine plötzliche Traurigkeit, die ich gar nicht mehr bremsen konnte. Ich fühl mich dann so klein und hilflos, dass ich verzweifeln könnte. Ich habe ein schlechtes Gewissen zu jammern, wo ich doch weiß, dass es vielen Menschen weitaus schlechter geht. Trotzdem bin ich nach wie vor aufgrund der Geschehnisse vor 1 3/4 Jahren schockiert. Ich hätte fast mein Leben verloren, nur weil ich mir plötzlich eingebildet hatte, ein Kind müsse her. Mein Kind hätte fast sein Leben verloren, bevor es eben dieses noch begonnen hatte und mein Mann hätte beinahe uns beide verloren.
Es geht uns ja jetzt äußerlich gut. Ich bin meistens gut drauf. N ist sowieso eine quietschvergnügte Heulboje und M kommt vor lauter Arbeit und Studium (jaja, vor knapp einem Jahr hat er beschlossen, er hätte nicht genug "action", wo er es jetzt doch so gewohnt war, und holt jetzt endlich seinen DI nach, nachdem er den Mag. ja vor Jahren abgebrochen hatte). Und trotzdem: irgendwie ist irgendwo der Wurm drinnen. Sobald ich 10 Minuten Luft habe, bin ich das leibhaftige Elend und schaffe es auch nicht, mir selbst zu genügen. Ich muss mich ständig zumachen: mit Arbeit, mit Putzen, mit Fernsehen. Irgendetwas lässt mich nicht ruhen. Die Angst vorm Tod vielleicht? Die weise Aussage "I'll sleep when I'm dead?" Keine Ahnung. Nur NORMAL fühl ich mich nicht. Da ist es wieder, mein Lieblingswort. NORMAL. Wie ich ja deutlichst am eigenen Leib erfahren hab, gibt es ja normal nicht. Alles und somit auch nichts ist normal.
Und wenn ich es dann doch mal zulasse, dieses "Gehenlassen", dann verfalle ich innerhalb kürzester Zeit. Ich spüre diese alten Panikattacken wieder hochkriechen, gemeinsam mit meiner ach-so-vertrauten Taubheit im rechten Arm und Bein. Und das, obwohl ich eigentlich vor meinem inneren Auge ganz deutlich sehe, dass von meinem anfänglichen (Seelen-Müll-)Berg nur noch ca. ein Achtel da ist.
Ich gehe ja regelmäßig zur Cranio Sacralen Therapie (auch mit N), was mir wirklich sehr stark weiterhilft. Nur verschwindet es eben leider nicht ganz einfach durch Zauberei.
Und dazu kommt, dass seit einigen Monaten der Wunsch nach einem zweiten Kind immer stärker wird. Ich habe von Anfang an, als wir über Familienplanung gesprochen haben, immer gesagt, dass ich, WENN ich Kinder bekomme, auf keinen Fall nur eines möchte.
Nach all dem, was bei der ersten Geburt passiert ist, ist aber eine weitere Schwangerschaft - abhängig von der Tagesverfassung - irgendetwas zwischen "schon herausfordernd" und "purer Wahnsinn". Die Fragen, die ich mir stelle sind: War die erste Geburt der Warnschuss vor den Bug? - So nach dem Motto, "Einmal hast du es überstanden, du hast ein Kind, also lass es gut sein." War diese chaotisch Geburt notwendig, damit ich mich als Mensch und Elternteil weiterentwickeln kann? Wird bei einer zweiten Schwangerschaft tatsächlich alles anders sein, so wie alle sagen? Oder würde ich mit meiner zeitweise bestehenden Angst selbst wieder etwas Schreckliches auslösen? Begehe ich Selbstmord und lasse meine Familie im Stich, wenn ich ein weiteres Mal schwanger werde? Oder wird eine weitere Geburt, die abläuft wie im Bilderbuch, mich endlich lehren, absolutes Gottvertrauen zu haben? Nachdem ich ja gesehen habe, dass wir mächtige Hilfe von außen hatten, bin ich nicht undankbar und viel zu skeptisch, wenn ich eine weitere Schwangerschaft trotz dieser gespürten Unterstützung ablehne, obwohl mein Bauch eigentlich ja sagt? Dass mein Bauch die ausschlaggebende Kraft sein sollte, habe ich ja auch schon überdeutlich erfahren. Also was soll das Herumgeeiere? Oder wie?
M ist mittlerweile auch so weit, dass er sich ein zweites Kind vorstellen kann. Und N möchte sowieso alle Kinder, die er trifft, abbusserln, niederknuddeln und mit nach Hause nehmen.
Keinen Tau, alles offen.
Adoption ist kein Option, mir ist gesagt worden, dass "eh schon ein Kind" und "selber fruchtbar" keine Hilfe in so einem Verfahren sind.
Grundvoraussetzung wäre ein funktionierendes Sexualleben. Das gibt es allerdings nicht, weil ich es verwehre. Nicht M, sondern in erster Linie mir selbst. Ich liebe Sex und gutes Essen. Schon immer. Nur seit der Geburt versage ich mir beides: ich bin total desinteressiert und habe meinen Geruchssinn verloren, was heißt, ich schmecke auch nicht, was ich esse. Irgendwie blockiere ich mich gerade selber, als hätte ich es nicht verdient, wieder Spaß am Leben zu haben.
Wie gesagt, im Durchschnitt ist alles normal, ich lache viel mit meinem Kind, auch mit M, wenn auch viel seltener als früher (Zeitmangel?) und trotzdem sind die wichtigsten Dinge plötzlich nebensächlich. Auch an Depression hab ich schon gedacht, allerdings geht es mir dafür (meiner Ansicht nach) zu selten schlecht.
Naja, kommt Zeit, kommt Rat. Hoffe ich.